Um halb fünf am Nachmittag werden die Felder um Lomec schon blau, der Obstgarten ist weiß, und das Dorf mit seinen dreißig Einwohnern ist still geworden. Ein Dunkelretreat im Winter klingt erst mal nach einer etwas schrägen Idee – drinnen dunkel, draußen dunkel, Schnee auf der Straße von Prag. Lenka und ich mögen die kalten Monate trotzdem sehr. Wir begleiten Menschen seit 2013 bei Kuttenberg (Kutná Hora) durch die Dunkelheit, zu jeder Jahreszeit – hier also ein ehrlicher Blick darauf, was der Winter verändert und was nicht.
Erste Frage: Ist eine Holzhütte im Januar nicht kalt?
Nein. Die Frage ist aber berechtigt, denn von außen sehen unsere Hütten aus wie Gartenhäuschen, die erwachsen geworden sind 🙂 Drinnen sieht es anders aus. In den Wänden stecken 20 cm Dämmung, in der Decke 30 cm, der Boden ist massive Fichte, und jede Hütte steht auf Schraubfundamenten etwa 10 cm über dem Boden – die Kälte aus der gefrorenen Erde bleibt also, wo sie hingehört.
Geheizt wird mit einer Wärmepumpe und Fußbodenheizung. Die Wärme kommt also von unten, und du kannst im Januar barfuß herumlaufen. Dazu gibt es einen kleinen Zusatzheizkörper mit 0,5 kW, den wir genau deshalb ausgesucht haben, weil er keine Funken schlägt. Dafür zu sorgen, dass weder Wärmepumpe noch Heizkörper auch nur den kleinsten Schimmer abgeben, hat uns einiges an Tüftelei gekostet – eine Heizung mit freundlich grünem Standby-Lämpchen wäre im Dunkelraum eine ziemlich komische Sache.
Frische Luft kommt über eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung herein: Die warme Abluft wärmt die kalte Zuluft vor, du atmest also Außenluft, ohne den Winter hereinzulassen. Der Schalter ist neben der Tür und hat zwei Stufen. Das Innengerät ist mit etwa 22 dB ungefähr so laut wie raschelndes Laub.
Warum Winter und Dunkelretreat so gut zusammenpassen
Im Sommer meldet sich manchmal eine kleine Stimme im Kopf: Draußen scheint die Sonne, und ich sitze im Dunkeln. Im Winter ist diese Stimme viel leiser. Der Garten schläft, die Tage sind ohnehin kurz, und sich für eine Woche zurückzuziehen fühlt sich weniger nach Verzicht an als nach etwas, das zur Jahreszeit passt.
Was im Dunkeln selbst passiert, hängt nicht vom Kalender ab. Die Teilnehmenden erzählen uns im Januar dasselbe wie im Juni: In den ersten Tagen schlafen sie vor allem, die Zeit verschwimmt, und irgendwann bekommt der Kopf einen kleinen Wutanfall – „Was mache ich hier eigentlich?“ –, bevor er sich beruhigt. Der Winter legt nur einen gemütlichen Rahmen darum: Schnee vor den Wänden, warmer Boden drinnen, eine Thermoskanne Tee im Regal.
Eine Teilnehmerin aus Graz, nennen wir sie Sabine, hat sich bewusst eine Woche im Februar ausgesucht – „draußen verpasse ich ja eh nichts“, meinte sie. Als sie herauskam, lag frischer Schnee im Obstgarten. Sie stand eine ganze Weile in der Tür und sagte dann den Satz, den wir erstaunlich oft hören: „Es war leichter, als ich es mir vorgestellt hatte.“

Hinaus in eine weiße Welt
Nach Tagen im Dunkeln wirkt das Licht scharf – das erzählen uns die Leute zu jeder Jahreszeit. Schnee verstärkt das noch, weil er das Licht von überall gleichzeitig zurückwirft. Pack im Winter also eine Sonnenbrille ein, öffne die Tür langsam und gönn deinen Augen ein paar Minuten, bevor du über das helle Feld hinter dem Garten schaust.
Auch die anderen Sinne wachen auf. Die kalte Luft riecht plötzlich nach etwas – nach Holz, nach Schnee, nach Feldern –, und das erste warme Getränk nach der Dunkelheit schmeckt kräftiger, als du es in Erinnerung hast. Mehr über diese ersten Stunden steht in Zurück ins Licht.

Kuttenberg im Winter – vor oder nach der Dunkelheit
Kutná Hora, auf Deutsch Kuttenberg, liegt etwa 20 Autominuten von uns entfernt und ist im Winter ein schöner Ort, um vor oder nach dem Dunkelretreat anzukommen. Die Altstadt mit der St.-Barbara-Kirche gehört zusammen mit der Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale in Sedlec seit 1995 zum UNESCO-Welterbe. Spazier die Barbaragasse mit ihrer Reihe von Statuen über dem Tal entlang, schau dir das Jesuitenkolleg – heute die Galerie GASK – mit Schnee auf den Dächern an, und wenn dir danach ist, besuch das Beinhaus in Sedlec, die Kapelle, die mit menschlichen Knochen geschmückt ist.

Weitere Ideen, etwa die alte königliche Münze im Welschen Hof oder das Silberbergwerk, findest du in unseren Reisetipps für Kuttenberg.
Anreise zum Dunkelretreat bei Prag im Winter
Am einfachsten ist der Zug. Von Prag Hauptbahnhof nach Kutná Hora dauert es etwa eine Stunde, tagsüber fahren Direktzüge ungefähr stündlich – den aktuellen Fahrplan findest du auf cd.cz. An den Bahnhöfen Kutná Hora, Čáslav oder Bykáň holen wir dich kostenlos ab. Die 6 km zu Fuß von Bykáň über Úmonín, am Schloss vorbei, durch ein kleines Kiefernwäldchen und über einen Feldweg, sind an einem Sommernachmittag wunderbar. An einem Januarabend, wenn es bei Ankunft des Zuges längst dunkel ist, lass dich lieber von uns fahren.
Mit dem Auto sind es ab Prag etwa eineinviertel Stunden: D11 Richtung Hradec Králové, Ausfahrt Kolín, dann weiter über Kutná Hora nach Lomec. Aus Dresden bist du grob zweieinhalb Stunden unterwegs, aus Wien etwa dreieinhalb. Rechne im Winter mit verschneiten Landstraßen auf den letzten Kilometern und plan etwas Puffer ein. Parken ist bei uns kostenlos.
Was du für eine Winterwoche einpackst
Warme Sachen für die Reise, klar. Für die Hütte selbst brauchst du weniger, als du denkst: bequeme Kleidung in Schichten, warme Socken, Hausschuhe. Alles Weitere steht in unserer Packliste fürs Dunkelretreat.
Und die anderen Jahreszeiten?
Dunkelretreats gibt es bei uns das ganze Jahr. Die Dunkelheit in der Hütte ist in jedem Monat dieselbe – was sich ändert, ist die Welt, in die du danach zurückkommst.
- Frühling: Der Obstgarten erwacht, und deine ersten Schritte aus der Dunkelheit riechen nach nassem Gras und Blüten.
- Sommer: Die Wärmepumpe kühlt auch, die Hütte bleibt also selbst an heißen Tagen angenehm. An einem langen Sommerabend herauszukommen ist ein sanfter Weg zurück ins Licht.
- Herbst: Äpfel im Obstgarten, Morgennebel über den Feldern und Kuttenberg in allen Farben – eine gute Zeit, um noch ein paar Tage Stadt dranzuhängen.
- Winter: Schnee, kurze Tage, warme Böden. Also alles, was du gerade gelesen hast 🙂
Welche Jahreszeit ist also die richtige?
Ehrlich? Die, in der du wirklich abschalten kannst. Etwa 80 % der Menschen kommen für eine Woche, und eine freie Woche lässt sich in manchen Monaten leichter einrichten als in anderen. Wenn du die Wahl hast und dir Schnee vor der Tür und ein warmer Boden unter den Füßen gefallen, ist der Winter eine sehr gute Wahl. Hier die nächsten freien Termine:
- Hütte der Freundschaft ist frei ab 28.10.2026 −15 % · Last Minute: Anreise innerhalb von 7 Tagen3 Nächte reservieren ·
289246 - Hütte der Gesundheit ist frei ab 31.10.2026 −15 % · Last Minute: Anreise innerhalb von 7 Tagen7 Nächte reservieren ·
5955063 Nächte reservieren ·289246 - Hütte der Freundschaft ist frei ab 4.11.20263 Nächte reservieren
- Hütte der Liebe ist frei ab 7.11.20267 Nächte reservieren3 Nächte reservieren
- Hütte der Ruhe ist frei ab 11.11.20263 Nächte reservieren
Bis bald in der Dunkelheit – Tom & Lenka
P.S. Im Dunkeln fühlen sich Januar und Juli genau gleich an. Welcher Monat gerade ist, merkst du erst, wenn du die Tür aufmachst.



